Heide im Sommer

GlockenheideHeide im Sommer – das riecht süßwürzig nach Heidehonig, schaut rosarot aus und hört sich entspannt nach dem Summen der Bienen und Blöken der Heidschnucken (und dem Chatten und Telefonieren unzähliger Touristen) an. Denken die meisten.

Aber die Heide kann mehr als nur Blühen. Auch wenn sie das Erröten immer wieder im August zelebriert, und je nach Rosaton mehr oder weniger gefeiert wird – ist Calluna doch eine sensible Königin der nordischen Sträucher und produziert keine Blüten auf Knopfdruck. Ja, ein echter Kleinstrauch ist sie, immergrün – auch wenn sie im Winter eher braun ausschaut – empfindlich reagierend auf zuviel und vor allem zu wenig Regen. Von Heidekäfern und Schnucken gefressen, immer wieder neu ausschlagend, solange das Licht maximal und die Humusdecke im Boden minimal sind – eine echte Pionierpflanze eben.

Die kleine Schwester Erika liebt es feucht, Glockenheide (Erica tetralix) fängt schon Mitte Juli an zu blühen, mit recht großen rosa Glöckchen.

Die wilde Besenheide (Calluna vulgaris), die die großen Flächen violett färbt, blüht je nach Witterung von Anfang August bis Mitte September, die Hochzeit ist Ende August, in der Zeit der großen Heideblütenfeste in Schneverdingen und Amelinghausen.

Besenheide mit BläulingAber Vorfreude ist die schönste Freude. Das erste Highlight in der Heide ist die „Blüte“ des Wollgrases, besonders schön im Pietzmoor zu erleben. Nach der unscheinbaren echten Blüte im März schiebt dieses in nassen Sümpfen und Mooren bestandsbildende Gras seine seidenweichen Wollgrasflocken, die Samenstände, ungefähr einen Monat später ans Licht. Einfach zauberhaft, wenn Wollgras sich im tiefblauen Moorwasser spiegelt, im Hintergrund die frischgrünenden Moorbirken. Der Mai, der „Mozart des Kalenders“, verzaubert auch die Heide mit zartem Grün, besonders die Rhododendronblüten leuchten prächtig in den Gärten um diese Zeit.

WollgrasDann erblüht mit dem ersten Flöten des seltenen Pirols eine weitere Kostbarkeit, die es auch bei uns im Spöktal gibt: Die Moorlilie, mit kleinen gelben Ähren überreich ab Juli blühend, und wie der Name schon sagt auch in anmoorigen Bereichen zuhause, oft neben dem fleischfressenden kleinen Sonnentau. An trockenen Standorten strahlt die Heidenelke in Shocking Pink und lockt die Schmetterlinge, allen voran die verschiedenen Arten von Bläulingen. Und nach der Heideblüte? Dann kommt der große Zauberer Herbst, zuerst mit goldenen Birkenblättern und roten Vogelbeeren, über die sich orangerot verfärbenden Blaubeersträucher zwischen grauen Rentierflechten spannt sich ein weiter blassblauer Himmel, an dem die ersten Kranichzüge ziehen.

Moorlilie